Rede Deutsch: Warum du Fremdwörter vermeiden solltest

Zugegeben, es hört sich cool an. Vielleicht verleiht es dir sogar einen gewissen Hauch von Bildung. Deine Leser dürften aber wohl eher das Lexikon wälzen. Warum? Weil du meinst, das Fremdwörter supertoll sind. Sind sie aber nicht!

Alles fing mit einem neuen Kunden an. Frisch das Abitur bestanden, warf der nur zu gern mit Fremdwörtern um sich und bemängelte auf diese abgehobene Weise von mir erstellte Texte. Beispielsweise wäre eine Formulierung obsolet. Bitte was? Kurz gegoogelt hatte ich die Erklärung. Obsolet heißt nichts anderes als veraltet oder überholt. Meine Formulierung war also nicht mehr zeitgemäß. Ah, alles klar: Mit dem Begriff veraltet kann ich was anfangen. Gut, mit obsolet inzwischen auch. Die Frage blieb: Warum redet(e) der Kerl so geschwollen daher? Zumal das munter weiter ging. Heute bekomme ich nicht mehr alles zusammen, aber irgendwann hat es mir gereicht.

Rede deutsch mit mir: Verzichte auf Fremdwörter

Nachdem wieder eine solche Mail mit einem ach so tollen Wort ankam, schrieb ich zurück: Rede bitte deutsch mit mir. Und das jetzt ganz ohne Witz. Irgendwann hat es der gute (junge) Mann tatsächlich geschnallt, seither unterlässt er solche – ich sage mal ganz bewusst – „geschwollenen“ Begriffe. Denn mal ganz ehrlich: Kannst du mit dem Wort obsolet etwas anfangen? Ich freue mich auf deinen Kommentar, aber sei bitte ehrlich.

Zurück zum Thema. Ich halte mich nicht für dumm, habe aber auch keinen Doktortitel. Wobei eine Doktorarbeit heute nicht unbedingt viel aussagt, wenn wir mal einen kurzen Seitenblick auf unsere Politiker riskieren. Muss ich nix zu sagen, oder? Egal, ich habe die Realschule abgeschlossen, danach eine Kaufmannslehre. Beides ganz erfolgreich, ohne Ehrenrunden. Worauf ich hinaus will: Nicht jeder kann mit einem Wort wie obsolet etwas anfangen. Bestimmte Begriffe solltest du daher beim bloggen und vor allem beim werben neuer Kunden generell vermeiden. Oder willst du einen Duden wälzen, weil du ein Wort einfach nicht verstehst? Zugegeben: Google macht die Sache heute recht einfach, aber wenn mein Leser, Kunde oder Geschäftspartner mich nicht versteht, dann mache ich etwas falsch.

Rede Klartext: Nachschauen kostet einfach Zeit

Gut, ich kann wie gesagt nachschauen. Aber das kostet mich Zeit. Und die nutze ich gern besser. Fremdwörter haben daher weder beim bloggen noch beim werben noch im Mailverkehr irgendetwas zu suchen. Wobei dieser Fehler auch von großen Onlinegazetten praktiziert wird. Als Motorsportfan schaue ich (fast) täglich auf motorsport-total.com vorbei. Und stolpere immer wieder über gewisse Wörter. Etwa über eine „inferiore sportliche Leistung“ des McLaren-Teams. Bitte was? Inferiore? duden.de liefert die Erklärung: „untergeordnet jemanden unterlegen“. Ach so. Einen Satz wie „Trotz nach wie vor schlappen Honda-Motor schaffte es McLaren, in die Punkte zu fahren“ hätte ich auf Anhieb und ohne duden.de verstanden.

Oder zuletzt ein Zitat von Mercedes-Motorsportchef Toto Wolf nach dem USA Grand Prix in Austin/Texas. Nach dem dritten Titelgewinn von Lewis Hamilton sei es „imminent“, dass Nico Rosberg seinem Teamkollegen bald aggressiver gegenübertrete. WAS? Auch hier sorgt duden.de wieder für Aufklärung: imminent steht für drohend, bevorstehend, nahend, sich zusammenbrauend. DAS verstehe ich, imminent nicht. Ehrlich gesagt hab ich bei dem Wort schon beim schreiben Probleme. Imminent. IMMINENT. I-M-M-I-N-E-N-T. Wer zur Hölle denkt sich solch ein Wort aus? Das obendrein keiner versteht? Zumindest meiner einer nicht.

Stetig: Warum sukzessiver Mist halt Mist bleibt

Ein anderes schönes Beispiel ist das gern genutzte und daher (zumindest von mir) viel gehörte Wörtchen sukzessive. Das heißt nichts andere als stetig, immer weiter, immer mehr, immer besser. Eine sukzessive Verbesserung ist nicht anderes als eine stetige oder ständige Verbesserung. Mal ehrlich: Wer hat’s gewusst? Ich erhebe jetzt mal ganz weit meinen Zeigefinger: DAS habe ich (mal) gewusst. Aber obsolet, inferiore oder imminent kannte ich zuvor nicht.

Doch warum solltest du beim bloggen oder Kundenkontakt auf solche Wörter verzichten? Eigentlich dürfte das schon erklärt sein. Ich werfe da immer gern die KISS-Formel in den Raum. Selbständige dürfte KISS sicher etwas sagen. KISS steht für „Keep it small & simple“. Ich persönlich kenne KISS aus dem Buch eines Werbetexters auch als „Keep it simple & stupid“. Die zweite Erklärung trifft es in meinen Augen sogar besser. Denn zu deutsch bedeutet „Keep it simple & stupid“ ganz einfach „Halte es einfach und dumm“. Und genau so sollte man bloggen, werben und mailen. Wobei „dumm“ nicht falsch zu verstehen ist. Aber jeder kennt mit Sicherheit das Sprichwort, dass etwas „idiotensicher“ ist. Was möchte man damit sagen? Dass eine Sache so simpel ist, dass es jeder kapiert.

KISS-Formel: Blogge, werbe und maile „idiotensicher“

Und auch das idiotensicher muss man nicht gleich in den falschen Hals bekommen. Eine Erklärung ist idiotensicher, wenn sie halt wirklich jeder versteht. Ohne großes (oder auch nur kleines) Nachdenken. Ohne im Duden nachzuschlagen. Ohne bei Google zu suchen. Jedes Wort ist klar und sofort verständlich. Kein Gelabere, keine Fremdwörter, sondern einfaches Deutsch in purer Reinform. Quasi in bester Neandertaler-Manier. Zwar ist nach wie vor strittig, ob die schon sprechen konnten. Aber ein „Ich Mann, du Frau, jetzt Bumbum“ hat das Neandertaler-Weibchen mit Sicherheit verstanden. Den Hieb mit der Keule erst recht. Und Mädels: nicht aufregen. Auf Romantik hat der Neandertaler noch keinen großen Wert gelegt, daher das „ich Mann“ mal ganz unhöflich zuerst.

Halte dich also an die KISS-Regel. Vermeide Fremdwörter. Das ist weder cool noch kommst du ungemein gebildet rüber. Außer deine Kundschaft gehört zur Schickimicki-Szene. Falls du mit diesem Begriff nichts anfangen kannst: Damit meine ich irgendwelche Möchtegern-Proleten. Rede und blogge so, dass dich jeder Neandertaler verstehen kann. Ohne permanent (= ständig) im Duden zu blättern. Schreibe so, dass dich jeder Idiot sofort versteht. Und noch mal: In dem Fall ist der Idiot nicht als Beleidigung gemeint, sondern als reine Hilfestellung.

Nicht jeder versteht einen Stromer als Elektroauto

Vermeide Fremdwörter wie der Neandertaler einen hungrigen Höhlenlöwen. Nutzt du doch mal ein Fremdwort, erkläre es deinem Leser. So wie ich das eben mit dem permanent gemacht habe. Als Autoblogger ist mir der Begriff extrem geläufig, da die Branche gern von einem permanenten Allrad – also einem ständigen Allrad – redet. Was kurios klingt, ist alles andere. Es gibt nämlich auch einen zuschaltbaren (also nicht permanenten) Allradantrieb, von daher ist Allrad eben nicht gleich Allrad. Ob das jeder Leser weiß, dürfte fraglich sein. Deswegen ist der Leser keineswegs dumm, sondern steckt lediglich nicht so tief im Thema wie ich oder du.

Was ich damit sagen will: Selbst wenn Dir ein Wort seit langem geläufig ist, muss das nicht für deinen Leser gelten. Wer nicht gerade autoverrückt ist, kann mit dem Wort permanent oder der Formulierung permanenter Allrad vielleicht nichts anfangen. Genauso, wenn ich zu einem Elektroauto „Stromer“ sage. In der Regel versteht man darunter einen Lausebengel, Tunichtgut, Versager, Faulenzer oder sogar Landstreicher. Auf meiner Seite green-motors.de mit der Thematik alternative Autos umschreibe ich damit halt ein Elektroauto. Doch ob jeder meiner Leser das Wort im gleichen Sinn versteht, ist nicht unbedingt sicher. Hättest du das Wort Stromer als Synonym oder eben als „sinnverwandtes Wort“ für Elektroauto verstanden?

Verallgemeinere nicht: Jeder denkt etwas anders

Hättest du überhaupt das Wort synonym verstanden? Lache nicht. Es gibt unter tausend Lesern mit Sicherheit einen, der das Wort noch nie gehört hat. Da die meisten das aus einer Art Scham á la „Oh, der ist aber blöd“ jedoch nicht zugeben würden, würdest du es als Blogger aber wohl nie erfahren. Tatsächlich gilt das auch für so manche Redewendung. Kleines Beispiel? Was verstehst du unter „Land unter“? In der Regel wohl eine zeitweilige Überflutung von sonst trockenem Land. Doch ohne Witz: Ich kann mich an einen Grillabend erinnern, wo die (damals) 16 oder 17-jährige Tochter des Gastgebers fragte, was das überhaupt bedeutet. Heute lernt das Mädel irgendwas mit Hörtechnik, dumm im allgemeinen Sinne ist sie also kaum.

Setze also nicht voraus, dass dein Leser oder Kunde dich jederzeit versteht. Vor allem, wenn du Fremdwörter oder auch nur gewisse Redewendungen nutzt. Rede und schreibe so, dass dich JEDER versteht. Egal ob studierter Jurist, Student oder Hauptschüler. Erwarte niemals bei anderen das Wissen, dass du dir selbst irgendwie irgendwo angeeignet hast. Halte einen Juristen nicht für übermäßig schlau, einen Hauptschüler nicht automatisch für dumm.

Du willst verstanden werden? Dann rede Deutsch

Intelligenz ist in meinen Augen nämlich immer etwas sehr persönliches. Wenn ich einen IQ-Test machen würde, der viel Geschichte enthält, wäre ich sicher verdammt helle. Also helle im Sinne von klug. Wenn es hingegen um Medizin, Chemie oder Botanik (Pflanzenkunde) geht, bin ich mit Sicherheit der größte Depp der Nation. Unter einem Deppen versteht man übrigens einen Trottel, zumindest in Bayern. Ob das ein Hamburger versteht, weiß ich nicht. Der Hamburger oder Mecklenburger nämlich kann den Deppen durchaus schon als „Fremdwort“ sehen – und nicht verstehen. Nicht zu Unrecht, denn auch ein Dialekt kann zu Unverständnis führen.

Ich erinnere mich an einen meiner englischen Cousin. Als Teenies (heranwachsende Jugendliche) hatten wir damals diese Unart des „yo“ als ja. Hat mein Cousin aus England nicht verstanden. Der dachte immer, ich meinte „you“, also du. Was will ich dir damit nun sagen? Das andere eben nicht automatisch dein Wissen oder besser Verständnis für ein bestimmtes Wort haben. Das andere unter einem Stromer etwas anderes verstehen können als ich oder du. Das jemand beispielsweise das Wort sukzessive oder obsolet nicht kennt. Dass jemand nicht mal den Deppen versteht. Und damit ganz einfach dich nicht versteht.

Her mit der Keule: Welche Wörter lassen dich stolpern?

Wenn derjenige dann keine Lust hat, das Wort zu googeln oder nachzuschlagen, hast du verloren. Einen Leser, einen Kunden, einen genervten Geschäftspartner. Rede und schreibe daher in einer Art und Weise, dass dich jeder versteht. Klar, kurz, direkt, gerade heraus. Ohne Fremdwörter. Ohne Dialekt. In deutscher Sprache. Nicht Usbekisch, Latein, Englisch oder sonst etwas. Denke an KISS: Halte es kurz und einfach (keep it small & simple). Oder noch besser: Halte es einfach und dumm (Keep it simple & stupid). Und wenn dein Leser die KISS-Regel nicht kennt, erkläre sie ihm.

Alles klar? Gut. Text verstanden? Noch besser. Und nur mal so aus Neugier: Über welche Fremdwörter bist du schon in deinem Leben gestolpert? Wann hat dich die Neandertaler-Keule erwischt? Egal ob nun privat oder beruflich. Ich freu’ mich auf deinen Kommentar!

PS: An alle Neandertaler da draußen: Ich wollte niemanden zu nahe treten, beleidigen oder diskriminieren (= demütigen). PPS: Gewalt ist KEINE Lösung, also lass die Keule stecken.

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