Sicher kennst du das selbst: Ein neues Projekt steht an, das Konzept ist schon halb fertig. Doch eine gute Domain fehlt noch. Logo, es soll natürlich eine „echte“ TLD sein. Und sicher hast du schon Ideen. Nicht? Dann helfen dir vielleicht ein paar Tipps!

Zig Millionen DE-Domains sind mittlerweile registriert. Von daher ist es leider alles andere als einfach, eine gute (und freie) Top Level Domain zu finden. Viele registrierte Domains sind zwar „leer“ und stehen zum Verkauf, ich persönlich bin da aber immer etwas skeptisch. Erstens sind mitunter die Preise einfach überteuert. Zweitens weiß man nie, ob die Domain nicht mal von Google abgestraft wurde. In dem Fall wäre es prompt Essig mit der TLD und es geht wieder bei null los. Wie aber findest du eine neue (und freie) Domain? Auf welche Kriterien solltest du unbedingt achten? WWG hat für dich ein paar Antworten gesammelt – quasi als Gegenpol zu den 9 Fehlern bei der Domainswahl.

Domainwahl #1: Finde deine wichtigsten Keywords

Wenn ich ein neues Projekt starte, schaue ich mir erst mal die Keywords an. Also die passenden Suchbegriffe zu meinem Service oder zu meinem Produkt. Interessant ist hierbei auch das Suchvolumen, dass du beispielsweise im Google Adwords Keywords Planner abfragen kannst. In der Regel schaue ich allein auf DEUTSCHE Keys. Warum? Erstens: Deutsche Surfer suchen in der Regel nach deutschen Begriffen. Wer gerade nach einer neuen Kfz-Versicherung schaut, wird als Deutscher kaum das englische Wort insurance in die Google-Suchmaske eingeben.

Zweitens: Englische Begriffe zeigen meist eine extrem hohe Konkurrenz, womit du ein gutes Google-Ranking von vornherein begraben kannst. Beispiele sind schnell gefunden: Webdesign (66.600.000 SERPs), Airbrush (18.400.000), Consulting (513.000.000), eCommerce (127.000.000). Um auch noch mal unser Beispiel Versicherung anzuzeigen: Kfz-Versicherung kommt auf 4.120.000 (4,12 Mio.) Treffer, car insurance hingegen auf 197.000.000 (197 Mio.). Klares Fazit: Der englischsprachige Markt ist größer und somit deutlich umkämpfter.

Neue Domain: Die Keywords sind der Schlüssel

Hier gut zu ranken, ist aussichtslos. Da beißen sich selbst Hardcore-SEOs die Zähne aus. Setze also auf deutsche Begriffe. Zugegeben ist das mitunter schwierig, aber zum Thema Airbrush bieten sich beispielsweise Spritz- oder Sprühpistole an. Insbesondere für Nischen deutlich interessanter (weil nur 372.000 bzw. 195.000 Treffer), für entsprechende Künstler wohl eher weniger. Wobei du jetzt wegen dem WebWorkerGuiDE mosern könntest. Kurioserweise zeigt Google zum „Webworker“ gerade mal 213.000 Treffer.

Domainwahl #2: Denke wie dein Kunde

Wichtig bei der Keyword-Recherche: Gehe nicht von deinem Standpunkt aus, sondern von dem deines Kunden. Gerade weniger Internet-affine Domaininhaber machen hier einen großen Fehler und gehen einfach nach ihrem Unternehmensnamen. Beispiel: Für eine Konditorei aus Bonn namens Riemann wäre ein Domainname wie konditorei-riemann.de zwar durchaus naheliegend und zugegeben besser als schlicht riemann.de. Noch besser aber wäre die Domain konditorei-bonn.de. Denke also wie dein Kunde, biete eine Problemlösung.

Denn ob dein Kunde deine Konditorei mit Firmennamen kennt, ist fraglich. Bei Google wird er daher kaum nach der Konditorei Riemann suchen, sondern ganz allgemein nach einer Konditorei in Bonn. Denn das ist das Problem deines Kunden: Er (oder sie) hat Hunger und sucht daher eine Konditorei in Bonn. Dieses Problem löst du mit der richtigen Domain: konditorei-bonn.de. Wenn du clever bist, registrierst du die andere (und keineswegs schlechte) Domain konditorei-riemann.de ebenfalls. Schließlich wissen deine Stammkunden sehr wohl deinen Namen und würden bei Google eben doch nach der Konditorei Riemann suchen. Wenn du einen weltweit bekannten (Marken)Namen wie Coca Cola, Mercedes oder Microsoft hast, kannst (und solltest) du natürlich deinen Brand als Domainnamen nutzen.

Domainwahl #3: DE für deutsche Domains

Bei der Domainendung wählst du bei einer deutschen Webadresse selbstredend DE. Wenn du auf den europäischen oder gar internationalen Markt zielst, taugen ebenso EU und/oder COM. Von anderen TLDs wie BIZ, CC, WS und Co. raten Experten hingegen ab, da solche Domains es selten in die Top-Rankings bei Google schaffen.

Merke: Eine länderspezifische Internetadresse ist generell deine erste Wahl. Österreicher wählen entsprechend eine AT, Schweizer eine CH. Wobei eine COM als „Zweitdomain“ nicht schadet, ebenso NET und ORG. Trotzdem: Die meisten Nutzer wählen automatisch ihre landesspezifische Endung, da den meisten Usern andere Domainendungen ganz einfach unbekannt sind.

Domainwahl #4: Regional schlägt national

Wobei: Eine Domainendung könnte noch besser sein als die typische DE. Die Rede ist von den neuen regionalen Endungen, also KOELN, BERLIN, NRW und Co. Wenn du mit einem rein lokalen Geschäft oder Service allein auf eine Großstadt Schrägstrich Region zielst, könnte eine solche Regio-Domain – wenn sie denn angeboten wird – eine Idee sein.

Erste SEO-Tests: Regionale Domainname im Kommen

Ersten SEO-Tests zufolge schlagen die regionalen Domains nämlich DE und COM, wobei es derzeit zugegeben noch an Langzeitstudien mangelt. Noch gilt es daher abzuwarten. Es dürfte aber lohnen, neben DE (oder COM) die passende Regio-Domain zu registrieren. Bevor es ein Konkurrent macht :-)

Domainwahl #5: Finger weg von Kunstwörtern

Auch von Kunstwörtern lässt du besser die Finger. Selbst wenn es unglaublich klingt, finden sich hier zwei prominente Beispiele: Google und flickr.com. Heute auf dem ganzen Globus bekannt, hatten die Firmen mit ihren Namen anfangs richtig böse zu kämpfen und mussten viel Geld in Marketing investieren. Warum: Weil keiner Google oder flickr richtig schreiben und im Browser eingeben konnte. flickr registrierte daher später sogar die „richtige“ Domain flicker, weil viele User die Schreibweise eben nicht verstanden.

Domainwahl #6: Einfach zu tippen, einfach zu merken

Deine neue Domain MUSS daher einfach zu tippen und ebenso einfach zu merken sein. Vermeide daher nicht nur Kunstwörter, sondern ebenso Wörter aus Fremdsprachen. Französisch oder italienisch mögen schöne Sprachen sein, die korrekte Schreibweise ist für einen Nicht-Muttersprachler aber meist unbekannt. Obendrein muss der Domainname bei Mundpropaganda im Gedächtnis bleiben können.

Domainwahl #7: Mach’ es möglichst kurz

Aus den gleichen Grund sollte deine neue Domain möglichst kurz sein. goldschmied-meier-aus-hamburg-wandsbek.de wird sich keiner merken können. goldschmied-hh.de dagegen sehr wohl. Wichtig: Vermeide Keyword-Stuffing (Aneinanderreihen von Suchwörtern), das kommt bei Google gar nicht mehr gut an. Zumal sich ein kurzer knackiger Domainname auf der Visitenkarte ebenfalls besser macht und Vertipper reduziert.

Domainwahl #8: Eindeutigkeit & Erwartungen

Schau außerdem auf Singular und Plural. Wenn du beispielsweise Angelruten verkaufen willst, registriere angelrute.de UND angelruten.de. Ist eine der beiden Domains vergeben, Finger weg: Es besteht Verwechslungsgefahr hoch zehn. Daher sollte dein neuer Domainname eindeutig sein und außerdem Erwartungen nicht nur wecken, sondern tatsächlich erfüllen.

Domain muss die Erwartungen der Besucher erfüllen

Wenn du also eine Domain wie angelrute(n).de registrierst und auf der Seite dann Staubsauger anbietest, fühlt sich dein Besucher zu Recht verkohlt. Davon ab, dass du dir mit einer solchen kruden Praxis auch bei Google keinen Gefallen machst. Domain, Keywords und Content müssen zueinander passen. Was aber eigentlich logisch sein sollte.

Domainwahl #9: Achte geltendes Recht & Gesetz

Nicht weniger wichtig sind gesetzliche oder markenschutzrechtliche Kriterien. Zum einen würde ich von Verherrlichung von Gewalt, extremer Pornographie und ähnlichen Dingen im Domainnamen absehen. Ebenso (und vor allem) von Markennamen. Es ist alles andere als clever, Domains wie aldi-angebote.de oder boss-parfuem.de zu registrieren, da würde es mit Sicherheit über kurz oder lang Post von einem Anwalt (im Auftrag des Rechteinhabers) geben. Beachte also Markenrechte, recherchiere auf Google oder beim Deutschen Patentamt.

Domainwahl #10: Bindestriche, Umlaute, Sonderzeichen

Ein weiteres Thema sind Bindestriche, Zahlen, Umlaute, Sonderzeichen. Bindestriche etwa suggerieren wegen dem „Minus“ mitunter etwas negatives. Außerdem soll Google Domains ohne Bindestriche besser ranken, in den USA (bei COM-Domains) sind Bindestriche sogar regelrecht verpönt. Bevor du nun wegen Web-Worker-Gui.DE meckerst: Ich habe natürlich parallel die Domain WebWorkerGui.DE registriert. Zugegeben nutzte ich die Version mit Bindestrich als Hauptdomain, was nicht unbedingt clever sein mag. Für mich jedoch ist die Domain somit lesbarer und meiner Ansicht nach leichter zu merken.

Zahlen und Umlaute solltest du ebenfalls vermeiden. Zahlen sind längst out (bei Google), Umlaute wieder können Ärger beim mailen machen. Wenn du trotzdem einen Namen oder Keywords mit Umlaut (ä, ö, ü) nutzen willst, registriere die Variante mit ae, oe oder ue und verweise die entsprechende Umlautdomain mit ä, ö oder ü auf die Hauptdomain. Seit einigen Jahren kannst du nämlich Umlaute bei DE-Domains tatsächlich registrieren.

Domainwahl #11: Domain vergeben? Kaufen!

Wenn deine Wunsch-Domain vergeben, aber leer – also ohne Content – ist, könnte übrigens ein Kauf lohnen. Tatsächlich findest du im Netz Millionen Domains ohne jeden Inhalt, die zum Verkauf stehen. Mitunter reicht dem Besitzer ein Gebot von 50 oder 100 Euro und die Domain gehört dir. Es gibt aber auch Domains (oder Besitzer), die deutlich höher gehen und vier- oder sogar fünfstellige Summen verlangen. Deine Entscheidung. Übrigens: Die teuerste DE-Domain anno 2014 kostete schlappe 100.000 Euro, zumindest auf SEDO.

Damainkauf: Pro und Contra gebrauchter Domains

Wichtig: Schau dir die Domainvergangenheit an, beispielsweise auf WaybackMachine.org. Domains, die von Google abgestraft und sogar aus den SERPs verbannt worden, können dich teuer zu stehen kommen. Von daher bin ich selbst kein großer Freund vom Domainkauf, da hier Vertrauen einfach dazu gehört. Andererseits hat eine „alte“ Domain durchaus Vorteile. Denn Google bewertet auch das Domainalter. Eine bereits 2001 registrierte Domain rankt daher besser als eine gerade in 2015 frisch angemeldete TLD. Somit kann der Kauf einer (günstigen) Domain in punkto Ranking und vor allem bei hoher Konkurrenz richtig viel Sinn machen.

Domainwahl #12: Online-Tools zur Domainabfrage

Ansonsten schau’ einfach mal auf united-domains.de. Die Suchmaske liefert dir in wenigen Sekunden die Verfügbarkeit aller großen Domains. Und ob diese – wenn bereits registriert – eventuell zum Verkauf stehen. Die DENIC (denic.de) ist weniger eine Idee, da hier allein DE-Domains angezeigt werden. Mitunter kann eine COM, NET oder ORG aber halt Sinn machen. Vor allem bei Nischenseiten ohne extrem große Konkurrenz.

Wichtig: Nimm dir bei der Auswahl deiner neuen Top Level Domains Zeit. Nichts ist schlimmer, als Wochen später zu merken, dass die Domainwahl doch nicht so gut wahr.

Domainwahl #13: Bitte Freunde & Bekannte um Rat

Von daher lohnt es, wenn du dich bei der Domainwahl mit Freunden und Bekannten absprichst. Können sich andere deine (Wunsch)Domain merken? Können Sie die Domain ohne Probleme schreiben? Wie schaut es mit möglichen Vertippern aus? Eventuell lohnen solche Vertipper-Domains ebenfalls zum registrieren und Aufschalten auf die Haupt-Domain.

Meine Empfehlung: InternetWerk samt WordPress-Service

Tja, das waren auch schon meine 13 Tipps zur Auswahl einer neuen TLD. Die Registrierung einer Domain kostet heute übrigens nicht mehr die Welt. Mein Haus- und Hof-Hoster InternetWerk (siehe Banner Sidebar ganz oben) verlangt für eine DE pro Jahr gerade mal 4,95 Euro, ab zehn gehosteten Domains sogar nur noch 3,95 Euro. Dazu kommen noch rund zehn Euro für Webspace (100 MB) samt Datenbank und Traffic-Flatrate, so dass mich die Seite im Jahr gerade mal 14 Euro kostet. Selbst mit zwei Domains – Stichwort Bindestriche – sind es nicht mal 20 Euro. Eine COM oder ORG gibt es für 11,95 Euro, eine NET für 10,95 pro Jahr. Auch die neuen regionalen Domains wie BERLIN, KOELN oder BAYERN bietet InternetWerk an.

InternetWerk kann ich dir jedenfalls wärmstens empfehlen. Nicht nur wegen der Preise, auch wegen dem Service. So installiert dir mein Hoster beispielsweise WordPress kostenlos, was dir einiges an Zeit spart. Registriert wird eine Domain übrigens bequem über ein Bestellformular, bei InternetWerk kann ich das sogar formlos via Mail erledigen. Den Rest übernimmt der Hoster. Spätestens nach 24 Stunden ist alles eingerichtet, in der Regel sogar in nur wenigen Stunden.

Ganz wichtig: Du bist Domaininhaber & Admin C

Ganz wichtig bei der Registrierung einer neuen Domain ist übrigens der Domaininhaber. Achte darauf, dass DU (oder deine Firma) als Inhaber eingetragen wirst. Was sich kurios anhört, ist alles andere. Oft genug ist nicht der Betreiber einer Website Inhaber, sondern der Hoster oder die für das Webdesign engagierte Agentur. Kommt es mit denen mal zum Streit, stehst du im schlimmsten Fall urplötzlich ohne Domain da. So oder so: Juristische Streitereien gehen immer ins Geld. Achte also darauf, dass du der Domaininhaber und Admin C (administrativer Ansprechpartner) bist. Als technischer Ansprechpartner gilt dein Hoster.